Sonderausstellung «Strassentauben – verehrt und verpönt»

Jan 11 17:30 2019  Naturmuseum Solothurn

Über eine erstaunlich anpassungsfähige Vogelart im Siedlungsgebiet: Das Naturmuseum Solothurn beleuchtet in ihrer Sonderausstellung die unterschiedlichen Facetten der Strassentauben und ihre Verwandten und die Geschichte ihrer Bedeutung für uns Menschen.

Die Ausstellung wurde erarbeitet und zusammengestellt vom Naturmuseum Solothurn in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Daniel Haag-Wackernagel, Universität Basel. Audio-Stationen zur Wandertaube Martha oder zu den einzelnen Taubenrufen, sowie Interaktivas beleben die Ausstellung. Die Sonderausstellung kann bis am 22. April 2019 besucht und erlebt werden.

Von der Geschichte der Strassentaube
Die Taube kennt man einfach. Auch nicht verwunderlich, denn auf jeden zehnten bis zwanzigsten Stadtbewohner kommt eine Taube. Sie prägen und bereichern das Stadtbild – der Markusplatz in Venedig ohne Strassentaube wäre unvollständig.

Der Ursprung der Strassentauben liegt bei den Felsentauben, die gesellig in Grotten und Felsklüften brüten. Nahrung in Form von Mais, Weizen, Gerste und Hafer aber auch Samen von verschiedenen Wildkräutern finden diese auf abgeernteten Feldern.

Bereits die Griechen und Römern errichteten Brutplätze und hielten die Felsentauben als Haustiere. Ihre Nestlinge dienten den Menschen als Nahrung. Den Taubenkot brauchten sie als nährstoffreichen Felddünger.

Indem der Mensch spezielle Eigenschaften dieser Feldtauben immer weiter züchtete, entstanden die Haustauben in ihrer ganzen Farb- und Formpalette.

Jedoch nicht alle Feldtauben und Haustauben kehrten wieder an ihre einstigen, vom Mensch geschaffenen, Brutplätze zurück. Und sie fanden in der Stadt, was sie brauchten: Brutplätze an Gebäuden und Industrieanlagen, Nahrung in Form von menschlichen Abfällen, Speisereste und verfütterte Brotreste und Reiskörner, in Hülle und Fülle. Die Strassentaube, eine eigentlich verwilderte Haustaube, war «geboren».

Viele Tauben und ihre Folgen
Ihre enorme Anpassungsfähigkeit lässt die Strassentauben-Population wachsen, nicht nur zum Guten für die Taube selber: Grosse Ansammlungen führen zu Stress und Aggressionen unter den Tieren. Minderwertige Nahrung, wie Brot und Reis, welche gerne den Strassentauben verfüttert wird, schadet letztendlich ihrer Gesundheit und erhöht den Parasitenbefall.

Ihre Krankheiten können auch auf den Menschen übertragen werden. Ihr Kot – und davon produziert eine Taube im Jahr mit bis zu 12 kg eine beachtliche Menge – mag Bauwerke zerstören.

Lösung in Sicht?
Durch Tötung einzelner Tiere kann eine Population nicht reguliert werden. Wegen der hohen Nachwuchsrate können Verluste innerhalb kürzester Zeit ausgeglichen werden. Auch Massnahmen, welche eine Senkung der Nachwuchsrate zum Ziel haben wie beispielsweise die Taubenpille, Sterilisation oder das Entfernen von Eiern, erreichen nie alle Tiere. Bereits wenige Paare sind in der Lage, die Fortpflanzung für die ganze Population zu übernehmen!

Die einzige Massnahme, die langfristig zu einer kleineren, gesunden Strassentauben-Population führt, ist die Senkung der Nahrungsgrundlage sowie zusätzlich bereitgestellte Taubenschläge, die regelmässig betreut werden.

Tauben in der Stadt Solothurn
In der Stadt Solothurn gibt es mehrere Taubenschläge, davon zwei besonders erfolgreiche ob der Jesuitenkirche. Dort können die rund 250 Tauben von Solothurn unter kontrollierten Bedingungen brüten. Sie schlafen auf speziellen Sitzvorrichtungen, sogenannten Sitzsädeln. Ihre Nester werden nach dem Brüten gereinigt, damit sich keine Parasiten und Materialschädlinge ansiedeln können. Der Boden ist mit Sand ausgestattet. Da „baden“ sie, um sich vom Ungeziefer zu befreien. Der Taubenvater, Markus Morand, geht zweimal in der Woche in die Taubenschläge, um die Tauben mit mineralstoffangereicherter Nahrung zu füttern und die Schläge zu reinigen. Bei Problemen mit Tauben oder bei verletzt aufgefundenen Tieren ist er in Solothurn Ansprechperson.

Die meisten Tauben in Solothurn leben in den Taubenschlägen, einige aber brüten nach wie vor unter den Brücken oder vereinzelt an alten Häusern. Würden auch diese noch „umziehen“, könnten auch sie von gesundem Futter und geschütztem Brutplatz profitieren, was der ganzen Taubenpopulation zugute käme.

Eine Sensibilisierung der Bevölkerung, Tauben nicht zu füttern, trägt zusätzlich zu einer gesunden Population bei.

Einheimische und exotische Wildtauben
Bei uns in der Schweiz leben fünf Wildtaubenarten; die Turteltaube, die Türkentaube, die Ringeltaube und die Hohltaube sowie die Strassentaube. Die Felsentaube, der Ursprungsart der Strassentaube, lebt nicht bei uns. Ihr nächstgelegener Brutort liegt in Korsika.

Weltweit gibt es über 300 verschiedene Tauben-Arten. Eine davon war die einst häufige Wildtauben-Art, die Wandertaube, die heute ausgestorben ist. Von Martha ist in der Ausstellung die Rede – der Letzten ihrer Art – in einer Hörgeschichte, die manch einen nachdenklich stimmt…

Museumspädagogisches Material
Den Lehrpersonen steht pädagogisches Material kostenlos zur Verfügung. Es sind dies ein Museumskoffer mit Aufträgen sowie ein Heft mit Hintergrundinformationen und Arbeitsblättern, gratis herunterzuladen von unserer Internetseite: Museumspädagogisches Material.