Auf Pirsch – vom Handwerk der Jagd

Jan 04 09:35 2021  Alpines Museum der Schweiz

Jagen fasziniert und provoziert – guter Grund, Fährte aufzunehmen: Die Ausstellung «Auf Pirsch» im Raum «Biwak» des Alpinen Museums der Schweiz führt das Publikum nahe an Kopf, Hand und Herz von vier Jägerinnen und Jägern im Berggebiet.

Jagen gehört zum ältesten Handwerk des Menschen – doch längst hat es seine Notwendigkeit verloren. Unser Steak holen wir im Supermarkt oder auf dem Biohof – oder wir essen sowieso nur noch «plant based». Dennoch stellt der Verein Jagd Schweiz für die letzten Jahre eine bedeutende Zunahme bei den Jagdausbildungen fest. Mit verantwortlich dafür ist laut Geschäftsführer David Clavadetscher eine veränderte Zusammensetzung der Ausbildungs- gruppen: «Heute interessieren sich viel mehr Personen ohne direkten Bezug zur Jagd für einen Jagdlehrgang. Darunter viele Städterinnen und Städter und eindeutig mehr Frauen.» So hat sich zum Beispiel die Zahl der Jägerinnen im städtisch geprägten Kanton Zürich zwischen 2014 und 2019 mehr als verdoppelt. Den einen erscheint die Jagd offensichtlich als eine der letzten Naturerfahrungen, in ihrer ehrlichen Auseinandersetzung mit dem Tier jeder anderen «Fleischproduktion» weit überlegen. Andere empfinden sie als grausamen Sport. Im Verhältnis zur Jagd spiegeln sich gesellschaftliche Zustände der urbanen und alpinen Schweiz. Einfache Antworten gibt es keine.

Beobachten, Warten, Schiessen
«Auf Pirsch. Vom Handwerk der Jagd» nimmt das Publikum mit in die Welt von Eduard Epp, Kurt Huggler, Pirmina Caminada und Arnold Berchtold. Jedes Jahr erwarten die vier Jäger*innen aus den Bergen ungeduldig die Eröffnung der Saison in Graubünden, Bern, Wallis und Uri. Was treibt sie an? Welche Beziehung haben sie zum gejagten Tier? Welches Wissen ist notwendig für die Zerteilung und Zubereitung des Fleischs? Der Fokus der Ausstellung liegt auf dem Handwerk – jenseits polarisierter Zuschreibungen: Planen, Vorbereiten, Beobachten, Warten, Schiessen, Zubereiten. Wer ein Tier erlegen will, muss dieses Handwerk verstehen, so viel ist klar. Arnold Bärchtold: «Ich habe ein einschüssiges Gewehr. Das heisst: Es gibt nur diesen einen Schuss. Bis ich nachgeladen habe, ist es zu spät. Man schiesst als Jäger nur dann, wenn man Gewissheit hat, dass man auch trifft und das Tier keine lange Leidenszeit hat. Sonst schiesst man besser nicht.»

Verschiedene Positionen aus künstlerischer Sicht
Unterschiedliche Perspektiven auf die Jagd zeigen in der Ausstellung die fotografischen Arbeiten von Anne Golaz und Alex Ochsner. Beide haben Jägerinnen und Jäger bei der Arbeit begleitet und für ihre Reportagen eine eindringliche visuelle Sprache gefunden, die zur Diskussion anregt. Auch das begleitende Veranstaltungsprogramm lädt zur Auseinandersetzung ein: So kommt mit Sandra Knecht eine (fast) vegane Fleischesserin und Kochkünstlerin zu Wort und in der «Philosophieren mit…»-Reihe geht es um die Fragen «Wem gehört die Natur» und «Haben Tiere Rechte?»

Die Ausstellung läuft noch bis 2. Januar 2022. Verschiedene Veranstaltungen werden im Rahmen dieser Ausstellung durchgeführt. Weitere Infos unter  www.alpinesmuseum.ch.